Warum sich Dranbleiben lohnt: Erste Eindrücke der 9. Bayerischen Nachhaltigkeitstagung
Unter dem Motto „Dranbleiben!“ fand in Bayreuth die 9. Bayerische Nachhaltigkeitstagung statt. 120 Teilnehmende aus ganz Bayern und darüber hinaus kamen zusammen, um Herausforderungen, psychologische Mechanismen und konkrete kommunale Lösungsansätze im Bereich Nachhaltigkeit zu diskutieren. Die Veranstaltung knüpfte unmittelbar an die dritte oberfränkische Klimakonferenz RegioCOP an.
„Die Welt ist sehr viel besser, als wir denken“, sagte Journalist und Politikwissenschaftler Carel Mohn in seiner Keynote zur 9. Bayerischen Nachhaltigkeitstagung. Die fand dieses Jahr im Evangelischen Zentrum in der Richard-Wagner-Straße in Bayreuth statt. Themen wie Klimawandel und Umweltschutz scheinen in der öffentlichen Debatte verdrängt von Gewalttaten, Kriegen oder Inflation. Doch Mohn machte deutlich, dass dies ein Trugschluss sei. Die Besorgnis über den Klimawandel bleibe auf konstant hohem Niveau. „Unsere europäischen Nachbarn machen viel“, so Mohn. Es finde eine Transformation der Wirtschaft statt, Rekordabsatz für Elektroautos, das Aus für fossile Heizungen. Auch China befinde sich auf dem Weg zu einer emissionsfreien all-electric economy. Mohn zufolge ist ein Wertewandel nötig. Klimaschutz müsse irgendwann so selbstverständlich sein wie die Tatsache, dass heute niemand mehr überhaupt daran denken würde, sein Altöl in den Garten zu kippen.
Fishbowl-Dialog für neue Impulse
„Nachhaltigkeit muss in die DNA“, bestätigte Silke Timm vom Zentrum für nachhaltige Kommunalentwicklung in Bayern. Kommunale Daseinsvorsorge sei ein zentraler Baustein globaler Nachhaltigkeit. Im Fishbowl-Dialog konnten die Teilnehmenden selbst in den Diskurs einsteigen. Der freie Stuhl brachte Impulse hervor, an die sonst vermutlich niemand gedacht hätte. So erinnerte ein Teilnehmer daran, dass sogar schönere öffentliche Toiletten zur Lebensqualität in Städten beitragen könnten. Positive Beispiele kamen zur Sprache: Die mittelfränkische Stadt Fürth wurde bundesweit als Hauptstadt des fairen Handels ausgezeichnet. Philip Abel, Leiter des Fürther Nachhaltigkeitsbüros, verriet das Erfolgsrezept: Mit ausreichend Teamstärke könne man einiges bewegen. Aus der Wissenschaft berichtete Lena Roth vom Nachhaltigkeitsbüro der Universität Bayreuth, die bereits in den Tagen zuvor bei der RegioCOP aktiv war. Für sie bedeute Dranbleiben auch, „Pausen zu machen, um die Energie hochzuhalten“.
Nachhaltigkeit in Stadt und Land
Jürgen Hennemann, Bürgermeister der unterfränkischen Stadt Ebern, hob hervor: „Wir müssen mehr vorhandene Strukturen nutzen.“ In seiner Kommune werde das Integrierte Stadtentwicklungskonzept (ISEK) bereits an den Nachhaltigkeitszielen der Agenda 2030 ausgerichtet. Sein Appell fiel deutlich aus: „Wir haben nicht genug Geld, um nicht nachhaltig zu sein.“ Bayreuther Bürgermeister Thomas Ebersberger betonte die Bedeutung der Zusammenarbeit zwischen Stadt und Landkreis. Es gebe Flächenbedarf für Windkraft und Photovoltaik. Wie diese mit Landwirtschaft, Freizeitnutzung und ökologischen Anforderungen in Einklang gebracht werden, zeigte ein Workshop zur integrativen Landnutzung von Manfred Miosga, Professor für Stadt- und Regionalentwicklung an der Universität Bayreuth und Präsident der Bayerischen Akademie Ländlicher Raum. Zum Abschluss fasste der Ansbacher Slam-Poet und Politiker Michael Jakob den Tag in seinem Poetic Replay zusammen: „Die 9. Nachhaltigkeitstagung is a place to remember, dass es sich lohnt, weiterhin dran zu bleiben.“
Die Tagung wird gefördert vom bayerischen Umweltministerium und organisiert vom Zentrum für nachhaltige Kommunalentwicklung in Bayern und dem Landesnetzwerk Bürgerschaftliches Engagement Bayern gemeinsam mit vielen Partnern. Herzlichen Dank an alle, die zu dieser gelungenen Veranstaltung beigetragen!